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Beginn der Friedensgebete - 1982

Quelle: Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Das Wettrüsten der Supermächte bestimmte Anfang der 1980er Jahre auch das Handeln engagierter Christen in Leipzig. So veranstaltete die Mitte der 1970er Jahre aus einem Kreis von ehemaligen Bausoldaten entstandene AG Friedensdienst regelmäßig Friedensseminare. Die Wirksamkeit in der Öffentlichkeit und die Vernetzung in der Stadt nahmen in dieser Zeit stark zu.

An dem Friedensgottesdienst am 6. März 1982 nahmen ca. 1.000 Besucher teil. | Quelle: ABL
An dem Friedensgottesdienst „Was macht uns sicher“ am 6. März 1982 nahmen ca. 1.000 Besucher teil. Quelle: ABL

Neben dieser Gruppe gab es engagierte Junge Gemeinden, die sich in regelmäßigen Treffen austauschten (z.B.: Nachtgebet in der Thomaskirche jeden Freitag). Das Bedürfnis vieler Jugendlicher nach einem stärkeren informellen Austausch auch außerhalb der Friedensdekaden traf in Leipzig auf eine Generation junger Diakone mit neuen sozial-ethischen und pädagogischen Ansätzen. Es wurden kommunikative Veranstaltungsformen unter Einbeziehung von moderner Literatur und aktueller Musik jenseits der Gottesdienstliturgie ausprobiert.
Zu ihnen zählte auch Günter Johannsen. Er führte die Impulse seiner Jugendlichen in der Gemeinde Leipzig-Probstheida in die Bahnen regelmäßiger Friedensgebete. Der unmittelbare Auslöser dazu war ein relativ profaner. Auf Grund eines Raumproblems und einer Terminüberschneidung in seiner Gemeinde trafen Anfang des Jahres der Bibelkreis und Mitglieder der Jungen Gemeinde aufeinander. Aus der Not eine Tugend machend einigte man sich auf einen gemeinsamen Gedankenaustausch über aktuell-politischen Fragen. Die Älteren zeigten sich überrascht von den alltäglichen Nöten der Jugend.

Matthias Sengewald: „Die Geschichte ist eigentlich so schön, dass man sie erzählen muss.“
Matthias Sengewald, seit 1978 selbst Diakon und von 1983 bis 1986 Jugendwart im Leipziger Jugendpfarramt, erzählt über die Vorgänge in der Gemeinde Leipzig – Probstheida.

Günter Johannsen suchte eine Möglichkeit, Friedensgebete über die Friedensdekade hinaus im Zentrum der Stadt zu veranstalten. Im Frühjahr 1982 fand er in Hans-Joachim Döring, dem Diakon der Thomasgemeinde, einen Verbündeten. Auch der für die Stadtkirche St. Nikolai zuständige Superintendent Friedrich Magirius, der viele Jahre in der Aktion Sühnezeichen aktiv war, zeigte sich für das Anliegen offen.

Hans-Joachim Döring: „Der Montag liegt am Dienstkalender von Bruder Döring.“
Zunächst planten Johannsen und Magirius, die Friedensgebete mittwochs zu veranstalten. Hans-Joachim Döring erinnert sich an die ersten Schwierigkeiten bei der Umsetzung des neuen Formats.

Am 13. September 1982 fand das erste Friedensgebet statt. Gestaltet wurde es von Günter Johannsen und seiner Jungen Gemeinde. Das zweite wurde von Hans-Joachim Döring und seinen Jugendlichen gehalten. Die „Probezeit“ ging bis zur Friedensdekade (7.-17.11.1982).

Das Friedensgebet geht weiter: Mitmachen ist erwünscht | Quelle: ABL / M. Dabdub„Das Friedensgebet geht weiter: Mitmachen ist erwünscht“
Nach der Friedensdekade warben die Akteure für die Weiterführung. Neben den kirchlichen Mitarbeitern war auch der Theologiestudent und ehrenamtliche Mitarbeiter Olaf Müller Unterzeichner des Aufrufs. Gerade das machte die Friedensgebete aus. Es war eine Laienbewegung und die ersten Veranstaltungen fanden ohne Pfarrer statt. Träger wurden neben den Jungen Gemeinden Gruppen wie die AG Friedensdienst, Initiativgruppe Hoffnung Nikaragua oder die AG Umweltschutz.

 

Sternwartenstraße im Seeburgviertel, 1985 | Quelle: ABL / M. DabdubEine andere Perspektive: Hausbesetzungen im Seeburgviertel
An der Grenze zur Leipziger Innenstadt befand sich ein verfallenes Gründerzeitviertel, dass 1987 weitgehend abgerissen wurde. Hier besetzten Punks und Studenten leerstehenden Wohnraum. Ende 1982 räumte die Polizei ein von Punks besetztes Haus und verhaftete einige Jugendliche. Punks gingen daraufhin in die Friedensgebete, baten um Öffentlichkeit und machten auf das Schicksal ihrer Freunde aufmerksam. Dadurch bekamen die Friedensgebete zunächst einen neuen Impuls. Gleichzeitig erfuhren sie eine andere Perspektive und wurden auch für kirchenferne Gruppen interessant.

 

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