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Fazit: Wer ist d e r Montagsdemonstrant?

Der „Montag“ als Protesttag bezieht nicht nur seine Strahlkraft aus Leipzig und den wegweisenden Demonstrationen im September / Oktober 1989, als das eingegangene persönliche Risiko, in die Öffentlichkeit zu gehen, sehr hoch war. Sehr viele Menschen tragen in ihrer Erinnerung das Bewusstsein, ein „Montagsdemonstrant“ gewesen zu sein. An verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten der Revolution machten verschiedene Menschen die persönliche Erfahrung, in das „Rad der Geschichte“ eingegriffen zu haben.

Städte mit mehr als zehn montäglichen Demonstrationen
16.10.1989 bis 12.03.1990

Wahlergebnis zur Volkskammerwahl am 18. März 1990

Das Erlebnis eines aktionsbetonten Montags hatten Menschen in mind. 226 Städten. Kontinuitäten, so dass man von Montagsdemonstrationen sprechen kann, gab es in ca. 70 Städten der DDR. An keinem Wochentag wurde mehr demonstriert als an den Montagen. Viele hunderttausend Menschen verbindet also eine Erinnerung daran.
Entweder rangen sie der SED das Herrschaftsmonopol ab („Wir sind das Volk“) oder sie waren beim Sturz der SED dabei („Wir sind ein Volk“) oder sie demonstrierten die DDR weg („schwarz-rot-gold“). So hat jeder das Bewusstsein, etwas verändert zu haben. Die gewaltsam erkämpfte Protestform der Montagsdemonstrationen, die zur Aufgabe der Alleinherrschaft der SED führte, blieb als probates Instrument erhalten, um in dem entstandenen Machtvakuum eine neue Perspektive zu finden.

Keine Programmatik und keine personelle Führung erhob die Montagsdemonstrationen zum Kampfmittel gegen das marode DDR-System. Es war die Selbstermächtigung der Straße, die nach Zusammenhalt und Orientierung rang. Sie hat Zeit und Form festgelegt und damit den Montagsdemonstrationen eine symbolische Kraft verliehen.

Wer also hat die Deutungshoheit? Wem „gehören“ die Montagsdemonstrationen?

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